Sie fahren mit Abstand am besten

GDIC Business Knigge

In der Warteschlange vor dem Schalter, in engen Flugzeugkabinen, beim Small Talk oder beim zufälligen Treffen auf der Straße: Wer dem Anderen zu nah „auf die Pelle“ rückt, wird sich keine Freunde machen. Doch welches ist eigentlich in welcher Situation der richtige Abstand zum Sitznachbarn oder Gesprächspartner? Der GDIC Business Knigge gibt Antworten:

Ab 50 Zentimetern wird’s intim
So nah lässt man in der Regel nur Familienmitglieder, Freunde oder gute Bekannte an sich heran – für die Umarmung oder einen Kuss auf die Wange. Dringen Unbekannte, Fremde oder geschäftliche Kontakte so weit vor, wird das unter Umständen als „Grenzverletzung“ mit entsprechend negativen Folgen empfunden. Wer sich nicht daran hält, muss mit Abwehrreaktionen, Verärgerung oder dem Rückzug seines Gegenübers rechnen. Außerhalb Europas sind die Grenzen etwas weicher. In den USA, Südamerika und auch Indien beispielsweise wird sich wesentlich schneller auch im Businesskontext umarmt. Prüfen Sie im Vorwege in welchem Kulturkreis Sie sich aufhalten.

Wer darf mir so nah kommen?
Ärzte, Friseure, Masseure und Personen mit ähnlichen Berufen gehen von Ihrem Einverständnis aus, wenn Sie sich in deren Hände begeben. Haare schneiden oder die medizinische Untersuchung sind schließlich ohne direkten Körperkontakt nicht möglich - das gilt natürlich auch bei gesellschaftlichen Anlässen, wenn Sie zum Tanzen auffordern oder aufgefordert werden.

Machtkampf in der Distanzzone
Sie haben sicher schon erlebt, dass der Sitznachbar im Flugzeug ganz selbstverständlich die komplette Armlehne beansprucht oder Ihnen in der Warteschlange fast auf den Füßen steht. Sie können sich auf diesen nonverbalen Machtkampf einlassen und Ihren Raum mit dem eigenen Ellenbogen verteidigen oder das Thema offen ansprechen: „Entschuldigung, könnten Sie sich bitte so hinsetzen, dass Sie Ihre Füße bei sich behalten und ich auch genügend Platz habe? Vielen Dank!“ Oberste Regel ist auch hier: bleiben Sie höflich und sachlich.

Entspannte Kommunikation
Die klassische Begrüßung mit Handschlag, die normale Unterhaltung oder der Small Talk spielen sich in der persönlichen Distanzzone ab, für die ein Abstand von etwa einem Meter von den meisten Menschen als angenehm empfunden wird. Aber natürlich gibt es Situationen, in denen man die „Köpfe zusammenstecken“ und seinem Gegenüber fließend näher kommen will oder muss. Dabei ist es wichtig, auf die Körpersprache des jeweils anderen zu achten. Vorbeugen bei gesenkter Stimme oder Zurücklehnen mit abgewandtem Blick sind deutliche Hinweis darauf, wie viel Nähe oder Distanz tatsächlich erwünscht ist.

Auf gesellschaftlicher Ebene
Sprechen Sie nur in begründeten Ausnahmefällen andere Menschen an, bevor Sie Blickkontakt mit ihnen aufgenommen haben – anderenfalls müssen Sie mit erschreckten, überraschten oder verwunderten Reaktionen rechnen. Für den klassischen Tagesgruß ohne Handschlag halten Sie dazu mindestens zwei bis drei Meter Distanz und kommen nur näher, wenn Sie durch Worte oder Gesten dazu eingeladen werden. Treffen Sie zum Beispiel Ihren Chef oder einen Kunden auf der Straße oder in der Freizeit warten Sie ab, ob er nach dem Tagesgruß sofort weitergehen oder für einen Small Talk mit Ihnen stehenbleiben möchte. In der gesellschaftlichen Distanz können Sie mit einem freundlichen Blick und einem Lächeln die Weichen stellen und Ihren Kontakt mit positiven Signalen spüren lassen, dass sie ihm wohlgesonnen und aufgeschlossen sind.

Auch hier gilt sich im Vorwege bewusst zu machen, in welchem kulturellen Umfeld wir uns gerade bewegen. In Teilen Asiens ist die gewünschte Distanz noch größer und in Nordamerika wird man direkt nach seinem Alter und der Herkunft etc. gefragt.