Zu spät?

GDIC Business Knigge

Dumm gelaufen, wenn ein deutscher Name auf der Visitenkarte steht: Weil die Germanen rund um den Globus einen Ruf zu verteidigen haben, müssen sie sogar bei Terminen in Südeuropa oder Südamerika pünktlich sein. Doch selbst wenn dieser permanente Blick auf die Uhr den anderen Nationen erspart bleibt, gibt es keine weltweit einheitlichen „Verspätungsregeln“.

Nord-Süd-Gefälle
Die Mehrheit aller Kulturkreise hat sich darauf verständigt, ausreichend „Spielraum“ in das private und berufliche Zeitmanagement einzubauen. Zum Beispiel in Frankreich, Spanien, Italien oder südlich des Panama Kanals sind Verspätungen bis zu 30 Minuten völlig normal und gehören eher zum guten Ton. Auf das Mitdenken kann man allerdings auf keiner Seite des Äquators verzichten und sollte auch im Teatro Amazonas rechtzeitig auftauchen, wenn man seinen Sitzplatz in der Reihenmitte hat.

Sprechen Sie Latein
Geht es dagegen nicht ohne exakte Vereinbarungen, hilft das „kleine Latinum“ als Sprachregelung zwischen Gastgeber und Gast:

  • „s. t.“ (lateinisch „sine tempore“) bedeutet wörtlich übersetzt „ohne Zeit“. Beginnt etwa ein Festakt um 11:00 Uhr s. t., sollten Sie dann bereits auf Ihrem Platz sitzen.
  • „c. t.“ (lateinisch „cum tempore“) heißt „mit Zeit“. Startet die Veranstaltung um 11:00 Uhr c. t., haben Sie ein Fenster von 15 Minuten, in denen Sie nichts Wesentliches verpassen.

Das Spiel mit dem Spielraum
Wie Sie mit den Zeitangaben umgehen sollten, hängt von der Formulierung der Einladung ab:

  • Heißt es darin „Wir laden Sie um 20.00 Uhr zum Abendessen ein“, sollten Sie möglichst um Punkt 20.00 Uhr klingeln.
  • Mit Texten wie „Ab 18:00 Uhr steht die Tür für euch offen - das Buffet ist für 19:00 Uhr bestellt“, „Ich erwarte euch gegen 19:00 Uhr“ oder „Die Party beginnt um 21:00 Uhr, das Ende ist offen“ gibt der Gastgeber Signal, dass es auf ein paar Minuten nicht ankommt.
  • Steht in der Einladung „Wir laden Sie herzlich zu einem Empfang zwischen 10:00 und 14:00 Uhr ein“ kann ein Gast in der gesamten Zeitspanne kommen und gehen, sollte aber aus Höflichkeit mindestens eine halbe bis eine Stunde bleiben.

Ist Ihr Gast unpünktlich? Müssen Sie warten, weil sich Ihr Gast ohne erkennbaren Grund unentschuldigt verspätet, können Sie das schnell und wohlwollend entschuldigen oder sofort mehr Pünktlichkeit einfordern. Setzen Sie eine Grenze, wenn der Andere die Verspätung für harmlos oder normal hält oder beenden Sie ein unter Umständen vermutetes Machtspiel zum Beispiel mit den folgenden Worten: „Mich stört es, hier allein zu sitzen und zu warten. Ich selbst habe mich sehr beeilt, um dich nicht warten zu lassen. Bitte sei das nächste Mal pünktlich.“ Überschreitet Ihr Gegenüber im Widerholungsfall die vereinbarte Zeit um mehr als eine Viertelstunde, sollten Sie nicht länger warten. Und als Gastgeber? Es sollte nicht vorkommen, kann aber passieren: Wenn Sie es selbst nicht zur vereinbarten Zeit schaffen, werden Ihre sensiblen Gäste sich nicht einfach setzen oder unaufgefordert das erste Getränk auf Ihre Rechnung bestellen. Rufen Sie in solchen Fällen im Restaurant oder Veranstaltungsort an und bitten darum, Ihre Gäste von der Verspätung zu informieren, sie zum Tisch zu begleiten und ihnen einen Aperitif anzubieten.