Führungstipps (I): „Gib mal her“

Eingreifen – oder kontrolliert laufen lassen? Besonders junge Führungskräfte spüren den Konflikt, wenn Zeitdruck, hohe Erwartungen des eigenen Vorgesetzten oder Störungen im laufenden Projekt zunehmend Einfluss auf die eigenen Entscheidungen gewinnen. Kann oder soll man in solchen Situationen trotzdem der Versuchung wiederstehen, Aufgaben an sich zu ziehen?

Vielleicht lösen Führungskräfte einige Probleme schneller, als die eigenen Mitarbeiter. Aber mit allem, was sie auf ihren eigenen Schreibtisch stapeln, sinken Motivation und Selbstständigkeit. Doch nicht nur davor warnen die Trainer von GDIC in fast jedem Führungsseminar: „Vorgesetzte verlieren den Überblick, wenn sie zu viele Details im Auge behalten müssen“, weiß Monika V. Kronbügel, CEO von Global DiVision. „Deshalb ist es keine Lösung, die Mitarbeiter zu entmündigen und selbst einen Kontrollverlust zu riskieren.“

Die Fähigkeit, Aufgaben geschickt zu verteilen, fügen die Trainer ins Standardrepertoire der leitenden Angestellten ein. Jemanden zu unterfordern und damit zu langweilen ist genau so gefährlich wie die einem Mitarbeiter übertragenen Herausforderungen, denen er noch nicht gewachsen ist und die sein Selbstvertrauen verletzen. Die goldene Regel: fordern, fördern und befördern funktioniert, wenn sich jedes Teammitglied nur anstrengen, nicht aber überanstrengen muss. Doch wie bekommt man ausreichende Grundlagen für seine Entscheidung?

1. Situation einschätzen:

  • Droht den Unternehmen Schaden, weil mit Vertragsstrafen verbundene Termine nicht eingehalten werden oder Kunden verärgert werden könnten?
  • Handelt es sich um eine dringende Aufgabe, bei deren Erledigung bisherige Lösungsversuche gescheitert sind?
  • Können Fehlschläge toleriert werden, weil es dafür noch Pufferzeiten gibt.

2. Mitarbeiter einschätzen:

  • Wird der Mitarbeiter mit dieser Aufgabe allein fertig oder gab es schon bei der Aufgabenverteilung eine Fehleinschätzung?
  • Was wird benötigt – nur Zeit, Impulse oder vielleicht doch konkrete Hilfe, weil er am persönlichen Limit arbeitet?

Wie auch immer: „Gib mal her“ oder „Das macht man so und so“ sind keine Lösungen. Mit diesen Fragen reagieren Sie besser:

  • „Welche Lösung ist aus ihrer Sicht die beste“
  • „Was brauchen sie, um das Problem zu lösen?“
  • „Wie kann ich sie unterstützen?“

Durch die mit solchen Reaktion gezeigte eigene Gelassenheit nehmen Sie dem Mitarbeiter nicht das Nachdenken ab sondern geben nur die Richtung vor, statt gleich selbst ins Lenkrad zu fassen.

Wann Sie sofort einschreiten sollten:

Natürlich gibt es Situationen, die keinen Spielraum erlauben und auf die Sie sofort reagieren sollten. Zum Beispiel Mobbing, Ausgrenzung, das Überschreiten persönlicher Grenzen oder sexuelle Belästigung erfordern das unmissverständliche Statement des Chefs und Konsequenzen für den Wiederholungsfall.

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