Führungstipps (2): „Gut gemacht?"

Wenn der Chef seine Mitarbeiter plötzlich lobt, kommt das bei den Betroffenen nicht selten völlig falsch an. Grund dafür ist das über einige Zeit aufgebaute Misstrauen: „Wenn Vorgesetzte mit anerkennenden Worten taktieren, geht das sehr schnell nach hinten los“, warnt auch Monika V. Kronbügel, CEO von Global DiVision.

Das bringt gar nichts:

  • „Die Mannschaft leistet hervorragende Arbeit, ich möchte da keinen Einzigen ausnehmen“, ist eine Ansage, die bestenfalls Verwunderung auslöst. Bei den Mitarbeitern kommt der Verdacht auf, dass ihr Boss die Lerninhalte des letzten Motivationsseminars bei ihnen testet das Team schon sehr bald wieder heruntergeputzt wird.
  • „Ach Frau Meier, sie kochen immer so guten Kaffee“, ist ganz schlimm, wenn darüber die von derselben Mitarbeiterin gerade anspruchsvoll ausgearbeitete Präsentation vergessen wird. Werden nur die nichtigen Anlässe registriert, wird Frau Meier den Kaffee vielleicht sehr bald für einen anderen Chef kochen.
  • Zu viel Lob für den Lieblingsmitarbeiter kann ebenfalls kontraproduktiv sein, wenn es bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor versammelter Mannschaft ausgesprochen wird. Damit macht man den Rest des Teams neidisch und isoliert den Betroffenen.

Das ist noch schlimmer:

  • Den einen Mitarbeiter zu loben um dem anderen zu zeigen, dass er nichts taugt, kann die Atmosphäre im Betrieb komplett vergiften.

Wer sich in diesen Beispielen selbst entdeckt, sollte das Loben dennoch nicht einstellen. Wichtig ist die Aufrichtigkeit: Großes Lob für große und kleines Lob für kleine Leistungen – und nicht immer nur vor versammelter Mannschaft. Umgekehrt sollte aber auch Kritik nie pauschal vorgebracht werden, sondern sachbezogen und unter vier Augen.

So loben Sie richtig:

  • Tun Sie’s sofort
    Warten Sie nicht erst ein paar Tage, sondern sprechen Sie sofort und klar aus, was der Mitarbeiter in Ihren Augen gut gemacht hat.
  • Halten Sie Blickkontakt
    Wer lobt, sollte seinem Gegenüber in die Augen sehen. Lassen Sie Ihrem Gegenüber danach eine kurze Atempause zum „Verdauen“ und schließen mit einem kurzen aber verbindlichen Händedruck ab.
  • Sagen Sie es unter vier Augen
    Vor großer Runde zu loben, bringt weniger als ein persönliches Gespräch. Aber bitte: vermeiden Sie dabei jede Übertreibung!
  • Formulieren Sie präzise
    Beschreiben Sie detailliert, was Ihnen gefallen hat. „Die Präsentation war gut“, ist zu schwach. „Prima, wie souverän Sie die Einwände des Kunden behandelt haben. Den haben Sie durch Ihre Sicherheit im Thema überzeugt“, ist besser und motiviert für die Zukunft.