Treppen mit Ausblick

GDIC Business Knigge

Ist es für Sie etwa eine Unverschämtheit, wenn der Mann die Treppe hinter einer Frau nach oben geht? Dann liegen Sie falsch und tun den Herren Unrecht. Die wollen nämlich nicht nur gierige Blicke auf lange Beine unter vielleicht kurze Röckchen werfen. Im Gegenteil ist es die Sorge um die Gesundheit der Damen, für die sie gern zurück und weiter unten bleiben!

Das war mal anders. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte der Herr gefälligst vorzugehen, um Fesseln oder Waden vor unverschämten Blicken zu verstecken. Damit war zwar die Intimsphäre geschützt, aber nicht die Gesundheit. Bei einem Fehltritt ging es für die Dame bergab, weil keine helfende Herrenhand zum Auffangen bereit stand.

Doch weil auch damals blaue Flecken und Gipsbeine nicht wirklich im Trend lagen, wurde den Männern sehr bald ihr bis heute aktueller Stammplatz zugewiesen. Die Treppe hinunter dürfen sie vor und die Treppe hinauf hinter der Frau gehen, müssen dafür aber zwingend alles im Blick haben. Ihre Aufgabe ist kein prüfender Blick auf die Anatomie sondern permanente Einsatzbereitschaft, um bei Bedarf (also einem Sturz) Hand anlegen zu können. Nachdem Mary Quant dann im Jahr 1959 den Rocksaum obendrein ganz weit nach oben gezogen hatte, mussten die Benimmregeln ohnehin umgeschrieben werden.

Heute bekommt in 0,42 Sekunden 67.000 Suchergebnisse, wer mit Googles Hilfe das Internet nach „Treppe“ und „Minirock“ durchsucht – und nicht alle davon sind so seriös, wie der Knigge als deutscher Leitfaden für gutes Benehmen. Der sagt: „Wenn man ein oder zwei Stufen hinter der Frau bleibt, gibt es auch beim kürzesten Kleidchen nichts zu sehen.“ Dagegen haben die kanadischen Forscher B.J. Rye und Glenn J. Meaney herausgefunden, dass 70 Prozent der Männer gern auch etwas tiefer blicken und das Risiko eingehen, dabei ertappt zu werden. Inzwischen wächst allerdings auch die Bereitschaft der Frauen zum optischen Übergriff. Schon einem guten Drittel von ihnen gefällt es, wenn sie im Treppenhaus mehr als nur den Blick auf die Stufen geboten bekommt.

Wie sieht das im Job aus?

Während der private Mann beim Aufstieg ausnahmsweise mal den Po vor Augen haben darf, sollte er im Beruf mit dem weiblichen Gegenüber auf Augenhöhe bleiben. Im Klartext: Sie und er gehen nebeneinander - es sei denn, es wird zu eng. Dann genießt sogar der männliche Gast auf dem Weg nach oben den Schutz der ortskundigen Gastgeberin. Besteht er dagegen auf die Kavaliersposition, darf Geschäftspartnerin, Kunden oder Kollegin gern den ersten Schritt (auf die Treppe) machen.