Umgangsformen im Restaurant

Bei keinem anderen Bereich assoziieren Menschen so stark gutes Benehmen wie beim Essen. Tischmanieren haben somit auch bei Geschäftsterminen eine große Außenwirkung und gelten als Indiz für Noblesse und eine gute Erziehung. Dabei sind sie aber zugleich ein häufiger Stolperstein - besonders für Geschäftspartner in spe.

Aber sind die Umgangsformen des Freiherrn von Knigge noch in der ursprünglichen Form für Geschäftsessen relevant?

1. Der Herr umsorgt die Dame?

Alte Regel:
Früher war der Herr für das Wohl der Dame verantwortlich.

Neue Empfehlung:
Damen und Herren kümmern sich gleichermaßen um das gegenseitige Wohl. Entscheidend ist, ob sie sich in der Gast- oder Gastgeberrolle befinden. Heutzutage kümmert sich somit auch eine Frau, z. B. als Gastgeberin, um das Wohl ihrer Gäste: Sie ist beim Ablegen der Mäntel behilflich, bietet ihren Gästen die Plätze an, gibt Tipps bei der Bestellung. Im Zuge der Emanzipation ist sowohl für Damen und Herren als auch für Kinder auf dem „Sockel der Ehre“ Platz. Je nach privater oder beruflicher Situation entscheidet der Herr, ob und welche Kavaliersgesten angemessen sind. Dabei nimmt er auf die Wünsche der Dame Rücksicht.

2. Führt ein Kellner zum Tisch, geht der Gastgeber zuletzt?

Alte Regel:
Kellner und Gastgeber bilden eine Eskorte und nehmen den Gast auf dem Weg zum Tisch schützend in die Mitte. Dies ist allerdings nur sinnvoll, wenn der Gästekreis klein ist. Steht der Einladende hinter seinen Gästen, kann er nicht Regie führen, Plätze anbieten oder beim Platznehmen behilflich sein.

Neue Empfehlung:

Der Gastgeber entscheidet situativ, ob er nicht besser vorgehen sollte. Geleitet kein Kellner zum Tisch, geht er – unverändert – vor und seine Gäste folgen.

3. Die Hände gehören auf den Tisch?

Alte Regel:
Früher galt es als höflich, die Hände während einer ganzen Mahlzeit auf dem Tisch zu lassen. Das Signal war: Ich führe nichts Böses im Schilde. Internationale Gepflogenheiten sind jedoch anders: In vielen Ländern ruht die Hand im Schoß, wenn sie gerade nicht gebraucht wird, im arabischen Raum gilt die linke Hand sogar als unrein. Wer es angenehm findet, die Hand unter den Tisch zu nehmen, schränkt das Wohlbefinden seiner Mitmenschen nicht ein. Es spricht also nichts dagegen, diese Regel zu lockern.

Neue Empfehlung:
Es ist kein Fauxpas, die Hände zwischen den Gängen in den Schoß zu legen.


Guten Appetit!